Bürgermeister Frank Börner (GUD)

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„Alle guten Dinge sind drei !“
Frank Börner, Bürgermeister der Stadt Gudensberg

Frank Börner beim Abschlusstanz 2016 in Gudensberg

 

„Anfang Juli fand die bereits dritte deutsch-ukrainische Jugendbegegnung statt. Zum zweiten Mal nach 2016 kamen 20 Jugendliche aus unserer Partnerstadt Schtschyrez in der Ukraine nach Gudensberg, um gemeinsam mit deutschen Jugendlichen eine abwechslungs- aber auch lehrreiche Ferienwoche zu verbringen.

Schon bei der Begrüßung sah man in vielen leuchtenden Augen die Freude über das Wiedersehen. In den vorherigen Treffen waren junge Freundschaften entstanden und die Jugendlichen fanden schnell Anknüpfungspunkte. Ihr offenes Wesen half über die Sprachbarriere hinweg und sie kommunizierten in Ukrainisch, Englisch und Deutsch miteinander und sprichwörtlich mit Händen und Füßen. Einen besonderen Anteil daran hatten die drei jungen Theaterpädagogen Hedwig Warnek, Florian Beelmann und Finn Howell, die mit ihrer nonverbalen Methodik den Jugendlichen ganz andere Herangehensweisen an Kommunikationsprozesse zeigten. Im Theaterprojekt entstanden Ideen und Gemeinsamkeiten; aber auch kulturelle Unterschiede wurden offenbar. So entwickelte sich der pädagogische Grundgedanke: Menschen ähneln und unterscheiden sich. Die Unterschiede können dabei das Leben bereichern, weil man Neues kennenlernt und so seinen eigenen Standpunkt und seine eigene Lebenswelt hinterfragen kann. Das wurde den jungen Menschen natürlich in spielerischer, „theatralischer“ Form vermittelt. Sie präsentierten am Abschlusstag ein eigenes, modernes Theaterstück ganz ohne Worte, aber für alle Zuschauer verständlich, was sehr beeindruckend war.

Leider war die Jugendbegegnung von einem tragischen, schrecklichen Verkehrsunfall eine Woche zuvor überschattet, bei dem Matteo Dietz starb und seine Schwester Lucia schwer verletzt wurde. Beide hatten an der Jugendbegegnung 2017 in Schtschyrez teilgenommen und wollten auch 2018 dabei sein. Es war der Wunsch aller Jugendlichen, Matteos Grab zu besuchen, einen Kranz niederzulegen und seiner zu gedenken. Lucia war an fast allen Tagen dabei und konnte sich so ein wenig ablenken. Es war sehr ergreifend zu erleben, wie einfühlsam und verständnisvoll die jungen Menschen miteinander und mit diesem traurigen Ereignis umgingen.

Auch in diesem Jahr hatten wieder viele Mitarbeiter, Helfer, Unterstützer und Förderer einen großen Anteil am Gelingen eines abwechslungsreichen Programms. Ein herzlicher Dank gilt dem Partnerschaftsverein, dem Altenzentrum Eben-Ezer, dem Backhaus Schwarz, Griesels Milchhof, dem Bulldog Club, der Jugendfeuerwehr und dem Golfpark Gudensberg. Die Jugendbegegnung wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert. Nach meinen persönlichen Eindrücken hat sich dieses Engagement hundertprozentig gelohnt, denn die Jugend ist unsere Zukunft im gemeinsamen Europa!“

 

Über die Jugendbegegnung 2016

„Es beginnt immer mit etwas Unsicherheit und Unbehagen. Auf wen treffen wir? Können wir einander verstehen? Haben wir die gleichen Interessen?
Wenn sich Jugendliche aus verschiedenen Kulturen begegnen, gehen sie ein Experiment ein. Sie verlassen für eine bestimmte Zeit ihre Routine, und lassen sich auf etwas Neues mit unbekanntem Verlauf und offenem Ende ein. Doch schon beim ersten Gruppentreffen sieht man den Menschen, man hört ihm zu, folgt seinen Bewegungen, entwickelt erste Sympathie.

Am Ende liegen sich alle in den Armen, sind traurig und wollen sich nicht trennen. All das passiert in gut einer Woche. Dazwischen liegt Tage, in denen unendlich viel Neues erfahren wurde, in denen alle viel gelernt haben und sich bereichert fühlen.
Stimmen und Stimmungen dieser Art habe ich während der Jugendbegegnung zwischen Schtschyrez und Gudensberg viele gehört. Unsere Idee war, ukrainischen und deutschen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, in einem selbstorganisierten Rahmen neue Erfahrungen zu sammeln und Gleichaltrige kennen zu lernen, denen man im Alltag nicht begegnet.

Um das Kennenlernen zu unterstützen, hatten die Jugendlichen „Aufgaben“: Sie sollten sich mit Themen beschäftigen, die zwar auf den ersten Blick abstrakt klangen, die aber das Leben heute mitprägen. Dabei haben ukrainische Jugendliche in ihrem Umfeld natürlich andere Erfahrungen gesammelt als deutsche. Auch diese unterschiedlichen Erfahrungen deutlich werden zu lassen, war beabsichtigt.
Die Jugendbegegnung war ein Erfolg – bei den jugendlichen Teilnehmern wie bei ihren erwachsenen Begleitern. Auf beiden Seiten ist das Verständnis gewachsen, das Interesse, wie es den Menschen im anderen Land ergeht.

Viele möchten am Ball bleiben, haben gefragt wie es weiter geht. Schtschyrez und Gudensberg wollen weiter Freunde sein und in Kürze Städtepartner werden. So wird es weiterhin Möglichkeiten geben, bei denen sich junge Menschen begegnen und kennenlernen können.
Allen Beteiligten, Förderern und Helfern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für Ihre Unterstützung gedankt!“